MARILENA FARACI

 

eine Meisterin der lauten wie leisen Farben, der kraftvollen wie zärtlichen Palette, der eruptiven wie sinnlichen Malsprache – eine Entdeckung auf der sich tausendfach brechenden Kaleidoskopscheibe Frankfurt-Offenbach!

 

Dass die 1963 (wie bereits erwähnt in Padua) geborene Malerin auch diplomierte Psychologin und praktizierende Therapeutin ist, erwähnen wir hier lediglich am Rande. Denn das bekannte „Henne-Ei-Problem“ (was war als erstes da) – malt also Marilena Faraci, weil sie Psychologin ist oder ist sie umgekehrt Psychologin, weil sie Malerin ist – dieses Problem können wir im Rahmen unseres Beitrags nun wirklich nicht lösen.

 

Marilena's nächste Ausstellung in Galerie Tigrel hat den Titel "Lebensinseln".

 

Lebensinseln

 

Metamorphosen sind ein zentrales Thema in Marilena Faraci’s Arbeit: die konstante Verwandlung und Veränderung der menschlichen Natur, der Kreislauf von Werden, Weiterentwicklung, Vergehen, Neubeginn. Ihre informellen Bildstrukturen sind morphologische Spiegelungen vergleichbar, die ihrer Malerei eine vertiefte zeitliche Dimension verleihen. Erlebtes wird zu Lebensinseln, welche die Künstlerin retrospektive betrachtet und als solche auf der Leinwand präzise konturiert : ein Kontroverse zwischen Linie und Farbe, zwischen einer Schrift von minuziöser Selbstanalyse und der Suche nach der farbigen Seele des Universums, die sich noch nicht aus der Abgrenzung befreien kann. 

 

Im Zeichen einer zeitgenössischen Rezeption der Romantik spricht Marilena Faraci, in ihren„ inneren „ Landschaften die Sehnsucht nach Unendlichkeit aus, nach dem Ursprünglichen, nach Transzendenz, nach Vergeistigung. Sie weiss, dass die räumliche Leere einer Leinwand anfangs stets das konstruktive Potential für die Entstehung eines Bildes in sich birgt, das in den unkontrollierbaren Zonen des nicht Geplanten sein zündendes Moment findet. Das Balancieren zwischen unbewussten und bewussten Entscheidungen, zwischen Zufall und Kontrolle lagert sich parallel dazu in einer Gestik ab, die vom Betrachter ein reges assoziatives Sehen fordert. Denn die fliessende Farbe sucht ihren Weg, teilt sich mit, beherrscht das Bildgeschehen, verheisst die Rückkehr in ein Paradies, wo sich die Formen auflösen, wo der diffuse Farbauftrag, die weichen Übergänge und Verwischungen den Landschaften Harmonie verleihen. Aber in gewissen Momenten werden nicht eingelöste Hoffnungen zu geschlossenen markierten Flächen auf der Leinwand und im Bewusstsein, und damit zum Protokoll eines Malprozesses, der seine Entsprechung im Fluss einer „ inneren „ Zeit findet. 

 

Die Lebensinseln in Faracis Arbeiten, lassen den Gedanken an Arnold Böcklins Inseln aufkommen, die zwischen 1880 und 1886 entstanden sind: Abstraktionen seiner Toteninsel, der dann 1888 die Schaffung einer Lebensinsel folgte. Marilena Faraci manifestiert in dieser Hinsicht absolute Kohärenz zwischen ihrer analytischen Arbeit als Therapeutin und als Künstlerin : Anomalien werden indiziert, thematisiert, geheilt und archiviert. Erst danach ist sie wieder bereit zu einer poetischen Rückkehr zur Leinwand, für ein neues geistigen Projekt, das einen beträchtlichen Spielraum offen lässt für die progressive Unvorhersehbarkeit des Lebens und der Kunst.

 

Beth Vermeer, 2016 

Kuratorin